Was Potenzial-ent-faltung mit Mut zu tun hat…

Was wir waren.
Als Kinder waren wir voller Kreativität, Neugier und Entdeckergeist. Erinnert ihr euch noch? Wir haben Fragen gestellt, ohne darüber nachzudenken, ob sie dumm oder schlau sind. Wir haben gespielt, ohne den Zweck erklären zu können. Wir haben alles Mögliche ausprobiert und uns überraschen lassen, was passiert.
Je älter wir wurden, umso mehr einschränkende Reaktionen haben wir auf unser neugieriges und unbedarftes Verhalten erfahren: „Frag nicht so dumm!“, „Lass es sein, das können andere besser.“, „Wozu soll das gut sein? Das macht gar keinen Sinn.“, „Gut ist noch nicht gut genug.“ und noch vieles mehr.

Was wir glauben, was wir sind.
Mit der Zeit haben wir uns an diesen teilweise sogar gut gemeinten Aussagen orientiert und unser Verhalten und unsere Denkweise über uns, unser Können, und wie die Welt funktioniert, adaptiert. Wir haben weniger ausprobiert, weniger Fragen gestellt und dadurch Fähigkeiten und Talente, die in uns angelegt sind (unser Potenzial) nicht weiterentwickelt. Wir haben nur das vorangetrieben, das in unserem Umfeld belohnt und als richtig bewertet wurde. Aus dem tiefen Bedürfnis Dazuzugehören, haben wir uns angepasst und gleichzeitig einen Teil in uns verkümmern lassen. Heute lieben wir Erklärungen, warum wir so sind wie wir sind: Gene, Hormone, Erziehung, Umfeld…alles richtig – und gleichzeitig ist das nur eine Momentaufnahme. Wir sind als Menschen keine starren, statischen Persönlichkeiten, sondern dynamische. Wir befinden uns unser ganzes Leben in einem Entwicklungsprozess, den wir selbst gestalten können. Echt? Ja, echt! Und dieser verkümmerte Teil in uns, unser ungenutztes Potenzial, ist immer noch da und wir können es jederzeit reaktivieren und ent-falten, wenn…

Jetzt kommt der Mut ins Spiel.
…wenn wir den Mut aufbringen, alte Denkmuster zu verlassen und uns selbst die Chance geben, neue Seiten an uns zu entdecken. Die fühlen sich anfangs noch unsicher und wacklig an, so wie Laufen lernen. Deshalb ist, neben dem eigenen Mut, sich auf Neuland zu begeben, ein vertrauensvolles und ermutigendes Umfeld für die Potenzial-ent-faltung entscheidend. Vertrauen und Ermutigung von außen sind deshalb so wichtig, damit wir uns Gelegenheiten und Zeit geben, Erfahrungen zu machen, die besser sind als die ungünstigen, die wir früher gemacht haben.

Einladung zu einem Experiment.
Stell dir vor, das Potenzial, das in dir angelegt ist, ist ein weißes Blatt Papier.
Nimm ein leeres Blatt, am besten DIN A4.

Jetzt falte für jede einschränkende/blockierende Annahme, die du über dich hast, ein richtig festes Eselsohr in das Blatt: große, kleine, schmale, breite, so wie es für dich passt.
Notiere die jeweilige Annahme auf dem Eselsohr (Beispiele: Ich bin nicht kreativ./ Wer Fehler macht ist dumm./ Gut ist noch nicht gut genug./Nur wenn Arbeit anstrengend ist, ist sie was wert.).

Wie groß ist die sichtbare Fläche des Blattes jetzt noch? Das, was du siehst, ist dein Potenzial, das du aktuell nutzt. Die Eselsohren symbolisieren das Potenzial, das du (noch) nicht nutzt.
Schau dir deine Notizen nochmal genau an. Was passt vielleicht sogar zu Kommentaren von Freunden, Kollegen, Chefs, Trainern: „Du hättest so ein großes Potenzial für…, wenn du mehr/öfter … !“ Durch welchen Satz fühlst du dich besonders eingeschränkt? Suche dir EINEN aus, zum Beispiel “Wer Fehler macht ist dumm.”.

Beschäftige dich damit intensiv. Welche Erfahrungen verpasse ich durch diese Denkweise? Wann sind Fehler hilfreich und dringend erwünscht? Wie wirke ich auf andere mit meiner Haltung? Such dir ein Motivations-Zitat aus. Lege kleine und ganz konkrete Schritte fest, wie du einen konstruktiven Umgang mit Fehlern ausprobieren wirst. Nimm dir etwas vor, was du tust, wenn du ans Aufgeben denkst. Suche dir eine/n Ermutiger/in für dein Vorhaben. Wer streicht geduldig mit dir das Eselsohr glatt, bis es nicht mehr umknickt? Schreibe auf, was dir wichtig erscheint: was dich überrascht, an dir selbst und an deiner Wirkung auf andere, was deine Learnings sind…

Ich wünsche euch viele bestärkende Erfahrungen und dass ihr euer Potenzial-Blatt ent-faltet. Denkt daran: Jeder von uns kann andere einladen, ermutigen und oft sogar inspirieren mehr von dem zu nutzen, was in uns steckt.

Wer sich für Literatur zu Potenzialentfaltung interessiert:
„Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher.“ von Gerald Hüther.